Kreativer Umgangmit Gesetzen und die GPL Seuche
Das Immaterialgüterrecht ist seit einiger Zeit in aller Munde, manchmal geht es um Urheberrecht oder Patente, manchmal aber auch um die mögliche legale oder illegale Aushebelung eines Kopierschutzes. Es gibt wenig über was sich die verschiedenen Interessengruppen einigen können. Es steht aber definitiv fest, das wir bezüglich Immaterialgüterrecht wohl im grössten Umbruch seit der Einführung solcher Rechte überhaupt sind.
Die Entkoppelung von Daten und Medium haben zu einer Flut von Verletzungen des Urheberrechts geführt, wenn ein Medium schwer zu kopieren ist dann hat das Medium selbst einen Wert und die Wertschöpfung kann schon alleine durch das Produkt beginnen, doch wenn die Wertschöpfung nur noch über 0en und 1en erfolgt hat man es sehr schwer sein "Produkt" zu schützen wenn man es erst einmal publiziert hat. Da auch Urheber von irgend etwas leben müssen, muss natürlich eine Möglichkeit bestehen seine kognitiven Leistungen in irgend einer Form schützen zu lassen. Über das "wie" kann hierbei natürlich vortrefflich gestritten werden.
Ich will jetzt niemandem Absprechen für eine gute Sache zu kämpfen, und ich bin auch kein Freund eines neuen Patentgesetzes das Computer implementierbare Erfindungen patentierbar macht, aber wenn wir mal realistisch sind werden einige der Gesetze die in Vorbereitung sind in den verschiedenen Europäischen Ländern bestimmt umgesetzt. Jetzt sollten wir aber nicht in kollektive Depression verfallen sondern das beste aus der Lage herausholen. Der Vortrag von Martin Campbell-Kelly, den sicher einige von euch auch gesehen haben, über die Geschichte der Patente, hat mir gezeigt das Hürden auch zu neuen Ideen führen könnten.
Legal Copy?
In Deutschland ist die erste Urheberrechtsnovelle bereits durch. Natürlich mit einigen Umstrittenen Artikeln, die scheinbar das Recht auf die Privatkopie unterlaufen. Das ist der Medienindustrie natürlich nur recht und billig. Der Markt hat den scheinbaren Nachteil aber recht schnell versucht zu umgehen. Weil wer es auf legalem weg schafft eine Kopie zu erzeugen ist den Konkurrenten natürlich erst einmal einen Schritt voraus.
Deutsches UrhG - Artikel 95a
Wirksame technische Massnahmen zum Schutz eines nach diesem Gesetz geschützten Werkes oder eines anderen nach diesem Gesetz geschützten Schutzgegenstandes dürfen ohne Zustimmung des Rechtsinhabers nicht umgangen werden, [...]
Firmen, oder auch OSS - Entwickler die in diesem Bereich gearbeitet haben, können diesem Paragraphen natürlich erstmal nichts Gutes abgewinnen. Trotzdem muss man ja irgendwie überleben, glücklicherweise ist das Deutsche Recht nicht das einzige auf dieser Welt. Der Erste Schritt war also der Firmen umzug in die ferne Südsee. Das Programm ohne Umgehung des Kopierschutzes wurde in Deutschland verkauft, der Patch mit der Erweiterung der Funktionalität konnte über das Internet geladen werden.
Doch damit nicht genug, der Erfindergeist kam dann auf die Simple Idee man könnte ja einfach ein Analogkopie erstellen. Das heisst DVD abspielen mit der Videokarte aufzeichnen gleich neu komprimieren und wieder auf DVD Brennen.
An und für sich eine Kranke Idee es über diesen Umweg zu machen, aber schlussendlich kommt man damit zum gewünschten Ergebnis und die Gesetze wurden auch eingehalten. Nicht umsonst nennt sich das Programm "Legal Copy".
Die GPL - Seuche
Es hat sich vielleicht noch nicht überall herumgesprochen aber die GPL ist hochansteckend. Die GPL ist sehr restriktiv mit der Software, jeder der GPL Code verwendet muss seinen Code den er dazu schreibt auch unter der GPL veröffentlichen. Die Veröffentlichung muss aber nicht zwingenderweise gratis sein, es gibt genug Beispiele von Software die kommerziell vermarktet wird und trotzdem unter der GPL steht.
In der zwischen zeit gibt es ein riesiges Repertoire an GPL Code, und so gibt es natürlich auch immer mehr Leute die GPL Code verwenden, und dadurch wiederum immer mehr Code. GPL Code ist also auch für kommerzielle Produkte interessant geworden, speziell weil die Unmengen an Code einfach zugänglich sind.
Die Seuche ist soweit das bestimmte Interessengruppen den Code doch gerne wieder geheim halten würden der neu geschrieben wurde. Hier zeigt sich wieder das die Gesetze gar nicht so schlecht sind, die GPL ist nämlich durchsetzbar. In Deutschland wurden vor kurzem die ersten zwei einstweiligen Verfügungen gegen Unternehmen erlassen die gegen die Einhaltung der GPL verstiessen. Die OSS Entwickler sind also nicht so Machtlos wie sie gerne wirken würden, ein Ende von OSS ist also nicht in Sicht, egal in welchem Rechtsrahmen.
Es gibt sogar Ideen das OSS selber Patente anmelden sollte, und unter Umständen so auch auf Patente von Firmen via crosslicensing zurückgreifen zu können. OSS Firmen wie Redhat haben bereits ein Patent-Portfolio und auf der anderen Seite haben grosse Firmen bereits Teile ihrer Patente für OSS Entwickler geöffnet. Es geht nicht immer nur um Geld, Prestige hat auch bei Firmen unter Umständen einen grossen Wert, den man nicht unterschätzen sollte. Ideen sind also genug vorhanden, und viele werden bereits umgesetzt.
Das Immaterialgüterrecht ist nicht perfekt, und es wird auch nicht perfekt werden. Doch die Angst sollte uns nicht davon abhalten gute Ideen zu haben. Wer Innovativ ist und sich bewusst ist dass Gesetze nicht nur gegen einen gerichtet sind, dem wird sich oft eine Lösung offenbaren, eine die man vorher vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hätte.
http://www.gpl-violations.org/
http://www.creativecommons.org/
http://www.fsf.org
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